Es gibt nichts Neues unter der Sonne...?

Kreuz

Einfach heiraten. Einfach taufen.

Einfach… Was fällt Ihnen spontan ein? Einfach leben? Einfach mal nichts machen? Einfach statt kompliziert?

Ich finde den Gedanken sehr befreiend, dass nicht immer alles komplex und hochaufgeladen sein muss. Es muss sich kein Highlight ans andere reihen. Es geht auch einfach und unaufgeregt. Der Sommer birgt manchmal in sich die Gefahr der Rastlosigkeit: Die wenigen Wochen sind viel zu kurz ist für alle Feste und Pläne. Dazu kommt das Gefühl, ich könnte etwas von den ganzen Sommer-Höhepunkten verpassen.

FOMO – „Fear of missing out“ – sagt man dann. Mir hilft der Gedanke, dass auch ein guter Alltag mit seinen Ritualen und Gewohnheiten voller Segen steckt. Vielleicht hab ich gut reden, weil unsere Kinder nicht mehr klein sind. Manche Eltern fürchten den Satz: „Mir ist so langweilig!“ - Dabei ist Langeweile die Zeit, in der Neues geboren werden kann. Kreativitätszeit. Langeweile ist sehr positiv.

So lese ich auch den „Prediger Salomo“ oder „Kohelet“ aus dem Alten Testament. Er versucht sich vor über 2000 Jahren in einer Anleitung zum Glücklichsein und stellt fest: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ (Pred 1,9). Das meint er gar nicht negativ. Er lädt vielmehr dazu ein, den Schatz des Alltags zu entdecken.

Endlich mal nichts Neues. Kein neuester Trend, dem du hinterher galoppieren musst. Endlich mal einfach nur das gute Gewohnte. Gerade Kinder erlebe ich da als große Traditionalisten. Wer ein bisschen ausführlicher beim Prediger nachliest, stolpert vielleicht zuerst, mitgerissen von einem gewissen Gefühl der Vergeblichkeit: „Alles ist eitel und Haschen nach Wind“.

Aber nach und nach entfaltet sich in dem Büchlein eine nachdenkliche und ruhige Form eines glücklichen Lebens. Der Prediger stellt sich materiellen Überfluss vor, merkt aber: Das macht mich nicht glücklich. Er stellt sich selbst als unfassbar weise vor. Und wieder merkt er: Auch viel Wissen oder Weisheit ist nicht einfach Glück.

Schließlich entdeckt er, dass sich Glück in aller Zerbrechlichkeit des Lebens immer nur als Geschenk Gottes finden lässt. Wenn es also „Nichts Neues unter der Sonne“ gibt, ist das ein dankbarer Gebetsseufzer.

Wie gut, dass auch heute Gott wieder die Sonne über meinem Leben aufgehen lässt und ein neuer Tag beginnt, an dem ich einfach leben kann.

Einfach leben – Ohne Aufregung, mit dem Genuss wunderbarer „Langeweile“-Momente.

Vielleicht hilft Ihnen das durch einen Sommer voller Highlights. Zu allem wünsche ich Ihnen viel Ruhe, Gelassenheit und Gottes Segen!

Ihre Pfarrerin

Eva Siemoneit - Wanke